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Sternsinger*innen stehen für Vielfalt, ohne schwarz geschminkte Kinder

Darum rufen wir alle Verantwortlichen fürs Sternsingen vor Ort dazu auf, kein Kind mehr schwarz zu schminken, denn:

  • Schwarze Menschen [1] leben selbstverständlich in Deutschland. Ein Schwarzes Kind steht deswegen ebenso wenig für Afrika, wie ein weißes für Europa.
  • Wenn weiße Menschen sich schwarz schminken, werden Schwarze Menschen auf ihre Hautfarbe reduziert. Damit werden Klischees und Vorurteile gegenüber Schwarzen Menschen wiederholt und so verstärkt.
  • Schwarze Menschen empfinden und kritisieren diese Tradition schon lange als rassistisch.
  • Die vermeintlich gut gemeinte Intention von Verantwortlichen rechtfertigt den Rassismus nicht.
  • Sternsingen steht für Vielfalt! Aber dafür braucht es keine schwarz geschminkten Kinder.


[1] Wir schreiben „Schwarz“ groß und „weiß“ klein und kursiv, um deutlich zu machen, dass es hier nicht um einen bestimmten Hautton geht, sondern um soziale Zugehörigkeiten. Ob ein Mensch von anderen „weiß“ oder „Schwarz“ gelesen wird, hängt nicht allein an der Hautfarbe, sondern von vielen Faktoren ab, wie z.B. Stereotypen oder auch Gesellschaftsbildern. Vgl. Glossar für diskriminierungssensible Sprache, „farbig“ oder „Schwarze Menschen“ www.amnesty.de/2017/3/1/glossar-fuer-diskriminierungssensible-sprache


Was genau steckt dahinter?

Das Schwarz-Schminken von Kindern bei der Aktion Dreikönigssingen ist schon lange ein viel diskutiertes Thema. Aus den nachfolgenden Gründen finden wir es wichtig, nicht länger an dieser Tradition festzuhalten. Die Verantwortlichen in den Pfarreien rufen wir dazu auf, kein Kind mehr schwarz zu schminken und dabei auch zu erklären, warum das nicht mehr geschieht. Mit dieser Argumentationshilfe wollen wir die Hintergründe erklären und so zu einem Umdenken beitragen.

Woher kommt die Tradition der schwarz geschminkten König*innen?

Die Bibel spricht gar nicht von Königen, sondern von „Weisen“ oder „Sterndeutern aus dem Osten“. In der christlichen Tradition hat sich aber schnell in vielen Darstellungen das Bild von den drei Königen durchgesetzt. Mit der Erzählung von den königlichen Geschenken wollte man deutlich machen, wie wichtig und besonders die Geburt von Jesus für die Christen ist. In vielen Bildern wurden und werden die heiligen drei Könige mit unterschiedlichen Hautfarben dargestellt. So sollten sie die damals bekannten Kontinente Asien, Afrika und Europa symbolisieren. „Die ganze Welt kommt, um den Sohn Gottes zu verehren“, war die Botschaft. Die Aktion Dreikönigssingen in ihrer heutigen Form hat diese Tradition seit ihren Anfängen in den 60er-Jahren aufgenommen. In vielen Gemeinden werden daher bis heute Kinder schwarz geschminkt.

Was ist Blackfacing?

„Das Wort Blackfacing ist vom englischen Blackface abgeleitet und bezeichnet die Darstellung schwarzer Menschen durch (häufig stereotyp) geschminkte Weiße, ursprünglich vor allem im Rahmen von Theateraufführungen.“ [2] Bei sogenannten Minstrel Shows machten sich im 19. Jahrhundert schwarz geschminkte weiße Menschen über Schwarze Menschen lustig, indem sie Vorurteile gegenüber Schwarzen Menschen darstellten. Damit prägten sie Vorurteile gegenüber Schwarzen Menschen, die bis heute wirksam sind. In Bildern, Fernsehshows, Filmen, Werbung und Bräuchen wie dem Karneval werden Schwarze Menschen oft als rückständig und unzivilisiert dargestellt. An vielen Stellen werden sie aber auch vermeintlich positiv impulsiv und naturverbunden, statt als bedacht oder technologisch entwickelt gezeigt. Diese Vorurteile begünstigen Rassismus und die strukturelle Diskriminierung von Schwarzen Menschen in Deutschland.

[2] Definition des Anglizismus des Jahres 2014 „Blackfacing“. http://www.anglizismusdesjahres.de/anglizismen-des-jahres/adj-2014/ [17.11.2020]

Welche Rolle spielt in dem Zusammenhang die Aktion Dreikönigssingen?

Öffentlich wird das Schwarz-Schminken der Kinder nicht mit Blackfacing in Verbindung gebracht. Wir sehen das anders. Der Brauch wird immer wieder von Vereinigungen Schwarzer Menschen, wie z.B. der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD), als rassistisch kritisiert. Ihre Kritik als von Rassismus Betroffene ist für uns besonders wichtig, denn für sie ist „Schwarz“ zu sein keine Verkleidung, sondern mit der alltäglichen Erfahrung von Rassismus verbunden. Wenn diese Kritik ignoriert wird und Kinder weiter schwarz geschminkt werden, kann die Aktion Dreikönigssingen nicht mehr glaubwürdig genug vertreten, sich für benachteiligte Kinder einzusetzen.

Auch die oft verwendete Begründung, man wolle damit gerade die Vielfalt der verschiedenen Kontinente repräsentieren, offenbart die rassistische Vorstellung von Europa als „weißer“ Kontinent. Dabei haben Schwarze Menschen eine lange Geschichte in Europa und auch in Deutschland leben schon lange Schwarze Menschen. Bis heute sind Schwarze Menschen dem Vorurteil ausgesetzt, sie gehörten nicht dazu. Die Folgen davon reichen von alltäglicher Ausgrenzung über Benachteiligungen in Ausbildung und Beruf bis hin zu brutaler Gewalt.

Warum rettet auch die positive Intention nicht die Tradition?

Das lässt sich am einfachsten mit einem Bild erklären. Wenn jemand mir auf den Fuß tritt, tut es mir weh. Es spielt dabei keine Rolle, ob das Ganze mit Absicht oder aus Versehen passiert ist. Es hilft auch nicht, wenn der oder die Verursacher*in mir erklären will, es sei doch nicht so schlimm. Sinnvoll wäre allein, sich zu entschuldigen und in Zukunft darauf zu achten, dass so etwas nicht mehr passiert. Was im Bild unmittelbar einleuchtet, gilt auch im Umgang mit der Tradition des Schwarz-Schminkens von Kindern bei der Aktion Dreikönigssingen.

Was machen wir stattdessen?

Die Aktion Dreikönigssingen steht für Vielfalt und es ist wichtig, dass das mit der Aktion zum Ausdruck kommt. Dafür braucht es aber keine schwarz geschminkten Kinder. Stattdessen sollten die Verantwortlichen vor Ort die Kinder ermutigen, so zu kommen, wie sie sind. Sie sollten mit ihnen auch darüber reden, warum es diskriminierend für Schwarze Menschen in Deutschland ist, wenn sich weiße Menschen schwarz schminken.

 

 


– BDKJ Diözesanverband Köln 2019