Pressemitteilung
Wir vertreten Werte
Katholisch-Alevitisches Jugendseminar
Bergneustadt (25.01.09). Katja und Bianca kneten Teig für Spätzle, Aynur und Gamze braten Köfte, während Celal sich an Kassler in Blätterteig versucht und Tobias Couscous zubereitet. Dreißig Jugendliche bevölkern gleichzeitig die geräumige Küche im Jugendgästehaus Bergneustadt im Oberbergischen Kreis und bereiten ein „interkulturelles“ Buffet mit deutschen und türkischen Spezialitäten vor. „Dialog geht auch durch den Magen“, findet die BDKJ-Diözesanvorsitzende Annika Triller. Sie gehört zum Leitungsteam des Jugendseminars von BDKJ und AAGB, dem Bund der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland.
Dem Alevitentum, einer dem Islam eng verwandten Glaubensrichtung, gehört ein großer Teil der türkischstämmigen Menschen in Deutschland an. In Nordrhein-Westfalen bildet der AAGB den ersten Migranten-Jugendverband, der als Mitglied im Landesjugendring anerkannt ist. „Dort arbeiten wir strukturell zusammen“, sagt Annika. „Aber wir wollen uns auch als religiöse Jugendverbände kennenlernen.“ So seien BDKJ und AAGB auf die Idee eines gemeinsamen Wochenendes gekommen. Titel: „Was ist der Mensch?“ Endlang dieser Frage von Immanuel Kant stellen die Jugendlichen einander ihre Riten und Gebräuche, Erzählungen und Überzeugungen vor. „Jesus ist eigentlich mein Lieblingsprophet“, sagt ein alevitisches Mädchen. Sätze wie dieser lassen Parallelen wie Unterschiede erkennen. Gemeinsam gebetet wird nicht, gesungen und getanzt dafür umso mehr.
Vor allem in politischen Fragen sind sich die jungen TeilnehmerInnen überwiegend einig. Unzufriedenheit mit dem Bildungssystem, Ärger über Kopfnoten oder der Wunsch nach mehr direkter Beteiligung zeigen, dass die Themen in den Jugendverbänden ähnlich gelagert sind. Viel Zuspruch erntet der Beitrag eines türkischen Jugendlichen, der von der Gesellschaft mehr Respekt vor den Religionen fordert. „Schließlich vertreten wir Werte.“ Und bei diesen Werten gibt es viele Übereinstimmungen, zumal sich die Aleviten trotz oder vielleicht gerade wegen ihrer langen Geschichte der Verfolgung in der Türkei als tolerante und weltoffene Glaubensrichtung präsentieren.
„Wir profitieren sehr von der Glaubensfreiheit in Deutschland“, sagt Gamze Özdemir vom AAGB-Landesvorstand, „deshalb stehen wir zu diesem Staat und wollen uns politisch einbringen.“ Für Annika ist dieses Wochenende auch deshalb ein wichtiges Zukunftsprojekt. „Besonders wir, die Jugendverbände, können gemeinsam viel für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft tun.“ Als ersten Schritt haben die TeilnehmerInnen eines politischen Workshops im Rahmen des Wochenendes einen Brief an NRW-Jugend- und Integrationsminister Armin Laschet verfasst, in dem sie ihre politischen Vorstellungen und Forderung darlegen. > Den Text des Briefes als pdf herunterladen.
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